Willst du die Welt verändern, fang bei dir an!
Dieses Zitat von Erwin Strittmatter begeistert mich seit frühester Jugend. Wenig Worte = viel Weisheit! Und so bin ich Idealist genug, mit ganz viel Glaube an das Gute in jedem Menschen, die Welt nach meinen Vorstellungen verändern zu wollen - oder wenigsten MEINE Welt...
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Verfasst am 28.11.2010 10:36:28 Uhr Warnsignale Erster Advent! Der kleine Ort, den ich meine Heimat nenne, liegt verschneit und verschlafen im Tal. Die Baumkronen des Thüringer Waldes wirken, als hätte sie jemand mit Puderzucker bestäubt. Aus einigen Schornsteinen kräuseln sich kleine Rauchwölkchen gerade empor. Es ist windstill bei einer Außentemperatur von knapp -3 Grad Celsius. Die perfekten Wetterbedingungen für einen schönen Winterspaziergang, den ich heute Nachmittag mit meinem Mann unternehmen werde. Alles wirkt so friedlich und ich mittendrin. Ich fühle mich sicher und geborgen in unserer kleinen, warmen, gemütlichen Wohnung, und draußen eine malerische Winterlandschaft.
In unserer schnelllebigen Zeit ist es notwendig, hin und wieder einmal anzuhalten und sich der schönen Dinge im Leben bewusst zu werden, dankbar zu sein. Mir gibt das ungeheuer viel Kraft und lässt mich vermeintlich wichtige Sachen etwas gelassener angehen. Und das ist auch dringend notwendig. Auch ich habe mich die letzten Wochen und Monate hetzen lassen, war immer nur auf der Durchreise, habe nicht angehalten, war der Meinung, ich könne mir noch mehr aufbürden. Ich schaffe das schon!
Letzte Woche dann ein seltsames Befinden. Mir war ständig leicht übel, leichter Brechreiz. Ich hatte das Gefühl, etwas sitzt mir im Nacken, fühlte mich (ab-)gehetzt und hatte doch zu nichts Motivation. Selbst Dinge, die ich bis dato gern tat, sowohl im Job als auch privat, erledigte ich mit Widerwillen und größter Anstrengung.Ich fühlte mich permanent müde, antriebslos, abgeschlagen und manchmal glaubte ich, mir würde alles zu viel und wäre am liebsten nur noch weggerannt. Dazu kam Angst. Angst, zu versagen, hauptsächlich im Job. Angst, den Job nicht mehr mit der gewohnten Souveränität meistern zu können wie bisher, nicht mehr über die Autorität zu verfügen, die in meinem Job unbedingt notwendig ist. Angst, nicht mehr mit der gewohnten Selbstverständlichkeit Lob und Anerkennung zu erhalten, sondern zu Recht kritisiert zu werden. 
Ich bin ein Sonnenkind, ein Löwe. Ich bin arrogant, eitel, erfolgsverwöhnt. Was schert mich meine Gesundheit? Bis jetzt hat doch auch alles tadellos funktioniert. Wovor sollte ICH eigentlich Angst haben? Ich habe einen guten Stand bei der Arbeit, sodass mir kleinere Vergehen ohne Weiteres nachgesehen werden. Und doch sagte mir etwas: „Du kannst heute nicht zur Arbeit gehen! Du MUSST zum Arzt! Wenn du heute zur Arbeit gehst, dann stehst du das nicht durch!!!“ Und ich ging zum Arzt.
Als die Ärztin meinen Blutdruck maß wurde sie blass. Sie sah mich über den Rand ihrer Brille hinweg an und meinte, bei meinen Blutdruckwerten müsse es einem ja schlecht werden. Mein Blutdruck, vor allem der zweite Wert, war viel viel zu hoch. „Kurz vor dem Schlaganfall!“, sagte die Ärztin, und wollte mich damit eigentlich zur stationären Behandlung überweisen. Davon konnte ich sie gerade noch abhalten. Also schrieb sie mich vorläufig, ohne mit sich reden zu lassen, eineinhalb Wochen krank. Sie gab mir Tabletten, die den Blutdruck ganz langsam absenken sollen, Tropfen gegen die Übelkeit und einen neuen Termin, bei dem ein vollständiger Check-Up gemacht wird.
Nun bin ich gezwungen anzuhalten und ich genieße es. Ich komme zur Ruhe, besinne mich auf die schönen Dinge im Leben, die manchmal nur aus Kleinigkeiten bestehen. Ich ruhe mich viel aus, mache nur so viel, wie ich kann und wozu ich Lust habe. Ich setze mich nicht unter Druck und lasse auch nicht zu, dass das wer anderes tut. Die Arbeit, die bei mir sonst immer Vorrang hatte, habe ich erstaunlicher Weise schnell aus meinem Kopf verbannt. Das alles ist so weit weg, dass es schon fast nimmer wahr ist. Es tut mir so unglaublich gut. Kaffee und Zigaretten spielen in meinem Alltag auch keine Rolle mehr. Erstaunlicher Weise vermisse ich beides nicht. Warum braucht es immer erst solche Warnsignale, damit man das wertvollste Gut, die Gesundheit, endlich wieder zu schätzen weiß? 
Ich wünsche allen einen wunderschönen ersten Advent. Versucht auch einmal, einfach nur anzuhalten, zur Ruhe zu kommen, Besinnlichkeit zu erfahren. Und denkt immer daran: „Seelenruhe, Heiterkeit und Zufriedenheit sind die Grundlagen allen Glücks, aller Gesundheit und des langen Lebens.“ (Christoph Wilhelm Hufeland) 
Verfasst am 24.08.2010 16:02:49 Uhr Wenn ich die Augen schließe ... … sehe ich eine große, geräumige Küche mit einem großen, alten, gemütlichen Herd. Die Küche wird vom Licht durchflutet, welches durch das geöffnete Fenster zum Vorgarten herein scheint. Unter dem Fenster steht eine Eckbank, wie sie in vielen Küchen steht. Auf dieser Eckbank liegt ein kleiner brauner Hund und döst. Plötzlich, von einem Geräusch alarmiert, springt er auf und ist mit einem Satz auf der Fensterbank. Sich dort gebärdend bellt er in die mittägliche Stille, kommt sich ungeheuer wichtig vor und ist dann mit einem Satz in den Vorgarten gehüpft, durch den er laut kläffend einige Runden flitzt.
Während er das tut erscheint auf der Fensterbank eine schwarze Katze. Sie blickt sich in der Küche um, ob man sie auch wahrnimmt. Als das nicht sofort der Fall ist, stolziert sie noch einige Schritte ins Innere der Küche und macht sich mit einem fordernden Miauen bemerkbar um zu signalisieren, wie wichtig sie ist. Die Frau, der dieses fordernde Miauen galt, hält inne mit der Vorbereitung des Mittagessens. Sie schaut zum Fenster, von wo aus die Katze inzwischen über ein kleines Schränkchen auf das Küchenbuffet balanciert ist, um zu ihrem Fressschälchen zu gelangen, welches dort immer vor dem kleinen braunen Hund in Sicherheit gebracht wird. Als die Katze erspäht, dass sämtliche Vorratsschälchen leer sind, lässt sie wieder ein anklagendes Miauen vernehmen. Selbstverständlich legt die Frau, welche eben noch mit dem Mittagessen beschäftigt war, alles sofort aus der Hand, um dem Fordern ihrer Schwarzen nachzukommen. Katzen haben eben keine Frauchen, Katzen haben Personal! Mit einem Lächeln wendet sich die Frau der Katze zu, redet beruhigend auf sie ein, streichelt ihr über den Kopf und krault ihr die Ohren. Dann geht sie in die, der Küche gegenüberliegenden, Speisekammer, um gleich darauf mit einer frischen, ungeöffneten Dose Katzenfutter wieder zu erscheinen. Sie lächelt, wie sie es meistens tut, wenn sie eines ihrer Haustiere gewahrt.
Die Frau ist Mitte sechzig, durchschnittlich groß und wirkt, aufgrund ihrer schlanken Gestalt und ihrer einfachen Aufmachung, manchmal etwas hilflos oder gar verletzlich. Sie ist eine Seele von einem Menschen, voller Herzensgüte, Zuversicht und Optimismus. Niemals hört man sie klagen, niemals hadert sie mit dem Schicksal, für alles hat sie eine Lösung und legt dabei einen eisernen Willen an den Tag, den ihr wohl niemand, der sie nicht genauer kannte, zugetraut hätte. Sie ist mit sich und ihrem Leben zufrieden, wodurch sie gefestigt und in sich ruhend wirkt.
Der kleine braune Hund kommt nun wieder durch das geöffnete Küchenfenster herein gehopst und begrüßt den Sohn der Frau, welcher zwischenzeitlich am Küchentisch Platz nahm um Zeitung zu lesen. Ein kurzes Schnüffeln, ein kleiner Klaps auf die Flanke, und schon hatte die schwarze Katze, welche gemächlich auf dem Küchenbuffet ihr Futter einnahm, die ganze Aufmerksamkeit des kleinen braunen Hundes auf sich gezogen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ob dieser Unverschämtheit springt er von der Eckbank, bellt sein Frauchen an und hüpft an ihr hoch, um seiner Empörung darüber, dass für ihn nichts Fressbares bereitstand, Ausdruck zu verleihen. Mit einem amüsierten Lächeln und einem liebevollen Klaps auf sein Hinterteil erklärt sie ihm, dass er jetzt noch nichts bekommt, oder höchstens ein kleines bisschen…
Der Sohn, der am Küchentisch immer noch vermeintlich in seine Zeitung vertieft ist, schaut kurz auf um dann, halb amüsiert, halb verständnislos, mit dem Kopf zu schütteln. Er könnte jetzt seiner Mutter zum gefühlten tausendsten Mal erklären, dass der kleine braune Hund nicht ständig was zu futtern brauchte und dass er sowieso nicht versteht, was sie ihm erklären möchte. Genauso gut könnte er es aber zum gefühlten tausendsten Mal dem Küchenbuffet erklären, und so beschließt er, seiner Mutter den kleinen Spaß zu lassen und vertieft sich wieder in seine Zeitung. Diese liest er nicht nur einfach, er studiert sie und lässt sich dabei ungern von etwas oder jemandem stören. Weil er ein vielseitig interessierter Mensch ist, möchte er wissen was um ihn herum passiert. Er ist zu intelligent, um Stammtisch-Meinungen wiederzugeben, zu ehrgeizig, um sich mit angelesenem Halbwissen auf eine Diskussion einzulassen. Wenn er sich äußert, dann ist jedes Wort genau überlegt, alles ist für ihn schlüssig. Er informiert sich genau und gründlich, um sich anschließend seine eigene Meinung zu bilden. Diese vertritt er dann mit einer Hartnäckigkeit, die zuweilen auch bei seiner Mutter zu beobachten ist. Er schert sich nicht darum, ob er mit seiner Meinung bei irgendwem aneckt, ob er damit irgendjemandem auf die Füße tritt, er macht keinen Rückzieher, wenn er Gegenargumente hört. Er macht seinen Standpunkt unmissverständlich klar, mit einer Art, die ihn für Außenstehende als selbstgefällig und arrogant erscheinen lässt. Dass er das nicht ist, wissen die Menschen, die ihn gut kennen, die ihm nahe stehen. Die wissen nämlich, wie sensibel und verletzlich er wirklich ist, wie liebevoll, weil, ähnlich wie seine Mutter, mit einem großen Herzen ausgestattet. Sein Humor ist geistvoll, niemals würde er ins vulgäre abgleiten. Weil er äußerst großen Wert auf eine gepflegte Sprache legt und gern mit dieser jongliert, ist sein Wortwitz brillant aber nicht für jeden verständlich.
Ich sehe mich in dieser Szenerie und empfinde ganz viel Wärme, Sicherheit, Geborgenheit. Das alles hier ist mein Halt, mein Netz, mein doppelter Boden. Doch auf einmal verschwimmt das Bild, bis es zerfällt, und ich begreife, dass diese Einsicht wohl zu spät kommt. Auch wenn ich es nicht bereue, so ist mir doch manchmal furchtbar kalt.
Eine Andere sitzt jetzt in dieser Küche, bei der Frau und ihrem Sohn. Und die Küche wird nun auch noch von Kindergeplapper und –lachen erhellt. Ich öffne die Augen und weiß, dass ich nicht zurück kann, dass es endlich Zeit wird das alles hinter mir zu lassen. Ich muss das, was vor mir liegt, in Angriff nehmen, unerschrocken kämpfen und dabei einen eisernen Willen an den Tag legen, den ich bei der Frau immer so bewundert hatte. Den Menschen in der Küche wünsche ich, dass sie noch viele fröhliche und glückliche Stunden in dieser Küche verbringen, und an deren Tisch gemeinsam für alles eine Lösung finden.
Verfasst am 26.07.2010 16:01:06 Uhr Unmut Schlimme Dinge sind passiert in Deutschland – genauer gesagt in Duisburg. So etwas macht wieder einmal sehr deutlich, wie schnell und unerwartet das Leben vorbei sein kann. Niemand hat mit solch einer Katastrophe gerechnet.
Die Krone allerdings wurde dem Ganzen von einem hiesigen, regionalen Radiosender aufgesetzt: Dieser berichtete in seiner Morgensendung von dem Unglück in Duisburg. Das ist soweit nicht ungewöhnlich. Ich bin mir sicher, dass dies viele Radio- und Fernsehsender seit Samstag in Deutschland tun. Im Anschluss an diesen Bericht hätte ich allerdings erwartet, dass man die vermeintliche Anteilnahme noch nachklingen lässt. Entsprechende (moderne) Musik gibt es viel, um solch einen Bericht zu unterstreichen. ABER: Weit gefehlt: Direkt und ohne Übergang wurde der Jingle von „Baumann und Klausen – die faulsten Beamten in Deutschland“ eingespielt. Ich war völlig irritiert und dachte nur: „Wie pietätlos ist DAS denn?“
Man versichert seine Trauer und Anteilnahme, findet kaum Worte für das Ausmaß der Katastrophe, um eine Sekunde später den Lacher des Tages zu präsentieren? Das muss doch den Betroffenen und Angehörigen der Opfer wie blanker Hohn erschienen sein! Ist denn in unserer Spaß- und Partygesellschaft alles darauf ausgelegt, sich nicht lange mit den unangenehmen Dingen aufzuhalten, sofort wieder zur Tagesordnung überzugehen und gute Laune zu suggerieren? Ich bin empört! 
Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens ...
Verfasst am 04.01.2010 13:13:31 Uhr Neues Jahr - neues Glück (?) So, nun haben wir also endlich das alte Jahr hinter uns gelassen. Die Feiertage, besser gesagt, der damit verbundene Müßiggang, gingen mir dann zunehmend auf den Zeiger. Ich bin froh, dass ich nun wieder zur Arbeit kann. So hat jeder Tag seinen festen Rhythmus, und ich brauche so etwas dringend.
Ich wünsche mir für mich, dass das neue Jahr nicht so weitergeht, wie das alte geendet hat. Ich wünsche mir für mich, dass ich mich mal endlich selber gewaltig in den Hintern trete, um meine "Aufschieberitis" in den Griff zu bekommen. Und allen anderen da draußen wünsche ich alles Liebe und Gute, und ein erfolgreiches Jahr!
Verfasst am 15.09.2009 11:59:24 Uhr Ereignisse zum Nachdenken (2) Abschied
Gestern war es soweit: Eine einjährige Qualifizierungsmaßnahme ging zu Ende. Wir haben unsere Schützlinge verabschiedet, mit allen guten (und ehrlich gemeinten) Wünschen, und ihnen versprochen, dass wir auch weiterhin für sie da sein werden, wenn sie unsere Hilfe benötigen. Wider Erwarten war bei vielen der Teilnehmer Wehmut mit am Start, bei anderen Ratlosigkeit ob der Leere, mit der sie nun wieder ihre Tage füllen werden. Wir haben viele ein ganzes Jahr begleitet, sie an die Hand genommen, ihnen Türen geöffnet, mit ihnen für sie gekämpft und oft auch gewonnen, wir haben uns für sie eingesetzt und immer an sie geglaubt, und so ganz allmählich sind sie uns dabei ans Herz gewachsen.
Viele haben wir gehen sehen; Sie verließen die Maßnahme vorzeitig wegen Arbeitsaufnahme. Das macht uns natürlich immer besonders stolz. Aber einige unserer Schützlinge stehen seit heute wieder genau da, wo sie vor einem Jahr standen – aufgrund ihrer Einstellung und nicht vorhandenen Motivation konnten wir für sie gar nichts bewegen. Das werden sie nun bei der ARGE rechtfertigen müssen.
Was wird aus all ihnen werden? Werden sie ihre Jobs behalten, in die sie mit unserer Hilfe vermittelt werden konnten? Werden sie sich wieder dem Müßiggang hingeben, und froh darüber sein, dass sie endlich in Ruhe gelassen werden – von uns zumindest? Werden das Gelernte und das Persönlichkeitstraining nachwirken? Werden sie jetzt in der Lage sein, ihr Leben und ihre Probleme mutiger und souveräner anzugehen?
Jeder Abschied ist auch ein Neubeginn. Für mich bedeutet das: Kaum dass ich zum Luftholen komme, kaum dass ich dazu komme, das vergangene Jahr, in dem auch für mich viel passiert ist, in dem auch ich mich weiterentwickelt habe, in dem auch ich viel von meinen Teilnehmern gelernt habe, mental abzuschließen, werde ich in nicht einmal zwei Wochen die nächste Maßnahme beginnen – wieder für ein ganzes Jahr.
Ich liebe meinen Job!
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